Ballgefühl
Richtig klatschen 2006


Late Night Kabarett von und mit Martin Maier-Bode und Jens Neutag

Mit Bierflasche, Fleischwurst, Lehrtafeln und Maskottchen bewaffnet stürmten Martin Maier-Bode und Jens Neutag am Samstag zur später Stunde die Bühne des Kommödchen. Was das Publikum nicht wußte: In den nächsten 50 Minuten sollte es in eine repräsentable Fußballfangemeinde verwandelt werden, die Deutschland bei der WM 2006 alle Ehren macht. Höchstpersönlich im Auftrag von Franz Beckenbauer und dem Düsseldorfer Oberbürgermeister waren die beiden Kabarettisten angetreten, um den aus der Übung gekommenen Düsseldorfern, die zu den Niederlagen von Fortuna nur noch über Feldwege gelangen, einen Lehrveranstaltung zu geben. Anfeuern und feiern, Spielregeln, ethische Grundsätze der Absatzregel und richtiges Klatschen standen auf dem Programm. Man will sich ja nicht gerade im Land des Fußballs vor der Welt blamieren.
Zügig, in einem Tempo, das das Publikum in Atem hielt und auf Trab brachte, wurde man hingeführt zu den kulturellen Wurzeln des Spiels rund um den Ball. So konnte man erfahren, dass Adam und Eva bereits im Paradies bolzten, allerdings nur so lange, bis Gott ihnen die rote Karte zeigte. So kam der Fußball in die Welt. Nur in den Spielpausen hatten die Ururureltern Zeit für die Zeugung des Menschengeschlechts. Maier-Bode und Neutag führten mühelos die italienisch-deutschen fußballerischen Animositäten auf die legendäre Hermannsschlacht im Teutoburgerwald zurück - „da wurd’ schon gefoult wie blöd“ - und erklärten plausibel die Schlacht bei Worringen zum ersten Fußballspiel zwischen Düsseldorf und Köln - dem letzten übrigens, das Düsseldorf seitdem gewonnen hat.
Vehement demonstrierte das Duo unter den Schmuseklängen von „Je t’aime“, dass Fußballberichterstattung rein gar nichts mit Verbalpornographie zu tun hat und schon gar nicht das Spiel selbst, bei dem 22 Männer unter vollem Körpereinsatz nur ein Ziel im Auge haben, den Ball ins Tor zu schießen. Überhaupt sei Fußball unvergleichlich und wenn doch, dann nur mit der Politik, denn schließlich ließe sich beobachten, dass immer, wenn es in der Politik eine Schlappe gäbe, Fußball obenauf sei. Ziel des Abends war der Erhalt des offiziellen Fanausweises, der am Ende ans Publikum verteilt wurde. Mit ihm und ohne ihn kann man die deutschen Stadien zur WM 2006 besuchen.
Fußballunbefleckte waren nach dem rasanten Programm aufgeklärt über alles, was sie niemals über den Sport wissen wollten, aber immer schon böse geahnt hatten. Zwar gingen die meisten Witze auf Kosten der üblichen Randgruppen, doch das Publikum wurde mittels einer Strategie der Affirmation dazu gebracht, lauthals den WM Gassenhauer „Schalala, lalal, uh, uh!“ zu grölen. Doch der Zweifel bleibt, ob es sich bei den beiden Kabarettisten nicht vielleicht doch um verkappte Fußballfans handelt.

„Doppelpass“, Kom(m)ödchen, immer samstags um 23h

© Jutta Saum 2001

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